Charakteristika,
Erkennungsmerkmale
Wenn
es kein Laubbaum wäre, könnte man sie von weitem glatt mit einer Fichte
verwechseln - keine andere einheimische Laubbaumart hat einen so auffallend bis
in die Kronenspitze gerade durchlaufenden Stamm wie die Schwarz-Erle
(Alnus glutinosa [L]. GAERTN.)
In manchen Regionen wird sie deshalb auch als 'Fichte der
Täler' bezeichnet. Das ist Ästhetik in der Natur! Der wichtigste Nachteil
gegenüber Konkurrenten ist ihr relativ geringes Alter von nur maximal
100-120 Jahren (na, wissen Sie noch vom letzten Jahr, wie alt der Wacholder
wird?). Dennoch können maximale Stammdurchmesser von ca. 1m und Höhen bis
zu 35m erreicht werden. Die dickste mir bekannte Schwarz-Erle steht im
Nationalpark auf dem Darß (in Mecklenburg-Vorpommern) mit 1,57 m Durchmesser in
1,30 m Stammhöhe. Kennen Sie womöglich noch eine dickere? Dann bitte an den
Autor oder an das Kuratorium www.baum-des-jahres.de melden! Unverwechselbar
wird diese Erlenart durch ihre Blätter, bei denen die Designer einfach
die Spitze vergessen haben. Und auch auf eine Herbstfärbung werden Sie
vergeblich warten, denn die Blätter trocknen grün am Trieb etwas ein und werden
dann abgeworfen. Wir kommen darauf nachher noch einmal zurück. Auffällig ist
der bereits im Frühsommer einsetzende grüne Blattfall, bei dem bis zur
Hälfte aller Blätter vorzeitig abgeworfen werden können. Dabei handelt es sich
immer um die ersten und untersten Blätter der Jahrestriebe, die von den später
erscheinenden, oberhalb befindlichen so beschattet werden, dass sie nicht mehr
überleben können. Es handelt sich also nicht etwa um ein Schadsymptom, wie immer
wieder zu lesen ist, sondern um eine eindrucksvolle Folge von dem extrem
hohen Lichtbedarf dieser Baumart. Die Schwarz-Erle erreicht ihr
Blühalter schon unter 10 Jahren. Die unscheinbaren Blüten sind
windbestäubt und eingeschlechtig, es kommen aber beide Geschlechter auf einem
Baum vor (was botanisch als Einhäusigkeit bezeichnet wird - erinnern Sie sich
noch, wie das beim Wacholder war?)². Die männlichen Blüten befinden sich in ca.
5-10 cm langen hängenden Kätzchen, die weiblichen sind viel kürzer und stehen
aufrecht. Sowohl die männlichen als auch die weiblichen Kätzchen überdauern
den Winter ungeschützt und sind daher schon ab Frühsommer des Vorjahres
sichtbar, obwohl sie erst im nächsten Frühjahr blühen. Dabei gehört die
Schwarz-Erle zu den im Jahreslauf am frühesten blühenden heimischen Baumarten -
die Heuschnupfen-Empfindlichen wissen das ganz genau. Während des
Heranreifens der Früchte verholzt der Fruchtstand und wird - für einen
Laubbaum schon wieder sehr ungewöhnlich - zu einem Zapfen. Die winzigen Früchte
haben Auswüchse, die luftgefüllt sind und als Schwimmpolster dienen. Das ist
einfach genial! Sie fallen vom Herbst bis zum Frühjahr aus den Zapfen und werden
vom Winde verweht oder mit dem Wasser verbreitet, worin sie bis zu 12 Monate
lebensfähig bleiben. Die Wasserverbreitung ist sehr effektiv, da sowohl die
Entfernungen als auch die Wahrscheinlichkeit, einen gut wasserversorgten
Rohboden zu finden, groß sind. In der Regel gibt es jedes Jahr reichlich
Früchte. Zum deutschen Namen der Schwarz-Erle hat die im Alter zerklüftete,
dunkle Schuppenborke geführt. Mehr zum unerwünschten Namen Rot-Erle kommt
später noch. Nur nicht so ungeduldig - lesen Sie doch erstmal weiter! Wir
wenden uns jetzt den Wurzeln dieser Baumart zu, denn da gibt es Wichtiges zu
berichten. Die Schwarz-Erle entwickelt ein sehr tiefreichendes, wegen seiner
Form so genanntes Herzwurzelsystem und vermag auch ausgesprochen schwere
Tonböden zu erschließen. Dieses dringt auch in ganzjährig vom Grundwasser
beeinflusste Bodentiefen vor. Die dadurch erschwerte Luftversorgung der Wurzeln
wird durch auffallend große Öffnungen in der Rinde (sog. Lentizellen) und
Luftkanäle im Holz sichergestellt, die sich an der Stammbasis und den
oberflächennahen Wurzeln befinden. Erst eine lange Überschwemmung auch der
Stammbasis kann zum Absterben der Erlen führen. Oder eine lange Austrocknung.
Nun wird's interessant. Denn eine weitere Besonderheit der Erle ist das
Vorkommen von Wurzelanschwellungen (sog. Rhizotamnien), knollenartige
Gebilde von Stecknadelkopfgröße bis zur Größe eines Apfels. Diese
Wurzelknöllchen, die sich nur in den oberen Bodenhorizonten finden lassen,
beherbergen Bakterien, die Luftstickstoff binden können. So kann sich die Erle
mit diesem wichtigen Nährstoff direkt aus der Luft selbst versorgen. Werden
Erlen mit solchen Knöllchen und andere ohne diese in stickstofffreier Nährlösung
kultiviert, sterben die Bäume ohne Knöllchen nach kurzer Zeit ab, während die
anderen normal weiterwachsen! Die Mikroorganismen können in den Wurzelknöllchen
besonders effektiv arbeiten, da sie vom Wirt, der Erle, mit Zuckerlösung aus der
Photosynthese ihrer Blätter versorgt werden. Der Baum investiert also einen Teil
seines Energiegewinns, um sich von der Stickstoffversorgung aus dem Boden
weitgehend unabhängig zu machen. Wenn Sie bedenken, dass die Luft zu 78% aus
Stickstoff besteht, können Sie erahnen, welches bedeutende Potenzial sich damit
der Erle eröffnet. Es wurden Werte von bis zu 200 kg in den Knöllchen
gespeichertem Stickstoff pro Hektar und Jahr errechnet, was einer
landwirtschaftlichen Volldüngung entspricht! Daher hat es die Erle auch nicht
nötig, vor dem Laubfall die Inhaltsstoffe aus den Blättern abzuziehen. Was zur
Folge hat, dass die Blätter grün abfallen. Die daher auch sehr stickstoffreiche
Laubstreu kann besonders rasch zersetzt werden und ist bereits im späten
Frühjahr des Folgejahres vollständig verschwunden. Ein Leckerbissen für die
Zersetzer!
Ökologie und Vorkommen
Die Schwarz-Erle besitzt wie keine andere heimische Baumart
die Fähigkeit, nasse Standorte zu besiedeln und wird aufgrund ihrer
Konkurrenzschwäche ganz brutal auf diese Standorte verdrängt. Möglich wird ihr
dort das Überleben nur wegen ihrer oben beschriebenen Fähigkeit des
Lufttransportes in die Wurzeln. Dadurch bildet sie dann die natürliche
Nässegrenze des Waldes. Die Erle erträgt aber nicht nur Dauernässe, sondern sie
hat andererseits auch sehr hohe Ansprüche an die Wasserversorgung, ja sie gilt
als die Baumart mit der höchsten Verdunstung, noch mehr als Birke oder Weide.
Mit diesen Eigenschaften ist die Schwarz-Erle eine typische
Pionierbaumart auf nassen Standorten. Die Baumart ist in fast ganz
Europa heimisch. Sie gilt als Baumart der tiefen Lagen, steigt aber auch bis in
mittlere Gebirgslagen auf. In Deutschland finden sich größere zusammenhängende
Bestände nur noch in der nordostdeutschen Tiefebene, wie zum Beispiel im
Spreewald südlich von Berlin. Die Schwarz-Erle tritt von Natur aus vor allem
in zwei Waldgesellschaften auf. Die Bach-Erlen-Eschenwälder zählen zu den
Auenwäldern, begleiten viele Fließgewässer, werden regelmäßig überschwemmt und
dabei mit Nährstoffablagerungen aus dem Fluss versorgt. Obwohl sie dort ihr
bestes Wachstum zeigt, muss sie sich diese Standorte mit der Esche teilen.
Konkurrenzlos herrscht die Schwarz-Erle hingegen im sog. Erlen-Bruchwald, der
sich dadurch auszeichnet, dass der Grundwasserstand ganzjährig sehr hoch ist und
nur wenig schwankt. Der Boden bleibt daher fast immer nass und wird fast
regelmäßig nur im zeitigen Frühjahr (während der Schneeschmelze) überschwemmt,
wobei im Gegensatz zu Auenwäldern aber keine Nährstoffe zugeführt werden, da das
Wasser nicht fließt. Die wenigen verbliebenen, von der Schwarz-Erle
beherrschten, grundwasserbeeinflussten Bruchwälder gehören zu den
Waldgesellschaften mit der höchsten Anzahl seltener und gefährdeter Pflanzen-
und Tierarten. Die erlenreichen Wälder sind in ihrem Bestand allesamt leider
stark zurückgegangen.
Als Gefährdungsursache dieser Lebensräume
gelten im wesentlichen Entwässerungsmaßnahmen. So überrascht es nicht, dass
diese Waldgesellschaften in den Roten Listen gefährdeter Biotoptypen
auftauchen. Die Schwarz-Erle bietet Lebensraum für über 150
Insektenarten (alleine 75 Schmetterlingsarten!), mehrere Dutzend Vogelarten und
über 70 Großpilzarten! Einige davon schädigen die Baumart, andere ernähren sich
nur von absterbenden Pflanzenteilen und bilden mit ihr eine Lebensgemeinschaft,
zum beiderseitigen Vorteil. Interessant anzusehen ist z.B. der Erlen-Rüssler,
wunderschön der glänzende Blaue Erlenblattkäfer, der kann allerdings einen
Kahlfraß verursachen. Der Erlen-Schillerporling zeigt von den Pilzarten die
höchste Stetigkeit in Erlen-Beständen. Die Früchte der Schwarz-Erle, die als
'Wintersteher' sehr lange am Baum verbleiben, dienen in dieser Jahreszeit vielen
Vogelarten als wichtige Nahrungsquelle, z.B. Erlen- und Bergzeisig sowie
Stieglitz. Und nun - es hilft nichts, wir müssen dieses Thema ansprechen - zu
der todbringenden Krankheit, die diese Baumart derzeit in große Gefahr
bringt. Schauen Sie sich einmal die Erlenbestän de in Ihrer Nähe entlang von
Flussläufen und an nassen Standorten genauer an. Sie werden in erschreckend
vielen Regionen feststellen, dass es der Baumart derzeit so schlecht wie noch
nie geht. Anzeichen der Krankheit sind schüttere, stark blühende und
zurücksterbende Kronen mit Pinselstrukturen sowie fleckige schwarzbraune
Verfärbungen am Wurzelanlauf und am unteren Stammbereich. Was ist die Ursache
für dieses neuartige Erlensterben, das erst 1993 entdeckt wurde und bei
dem ganze Erlenbestände innerhalb weniger Jahre absterben können? Verursacher
ist ein winzig kleiner pilzähnlicher Organismus mit dem Namen Phytophthora,
dessen Sporen sich mit Hilfe von Geißelhaaren aktiv im Wasser ausbreiten können
und in die Erle eindringen. Dann stirbt meist zuerst die Rinde nahe dem Stammfuß
und schließlich der ganze Baum ab. Nach dem derzeitigen Kenntnisstand scheint
es, dass die Natur hier ein genetisches Experiment veranstaltet hat mit
grausamen Folgen, die auch uns Menschen über die Risiken der Gentechnik zu
denken geben sollten. Zwei zuvor für die Erle unbedeutende Krankheitserreger
haben sich miteinander gekreuzt und dabei herausgekommen ist ein Organismus, der
in seiner Gefährlichkeit alle Verwandten in den Schatten stellt und gegen den
die Erle bisher kaum Abwehrstrategien entwickeln konnte, weil er absolut neu
ist. Und nun wird dieser Baumart ihr natürlicher Lebensraum an Gewässern und in
Sümpfen zum Verhängnis, denn ausgerechnet hier kann sich der Erreger optimal,
nämlich mit dem Wasser, ausbreiten. Nach diesem Kenntnisstand kommt allen, die
für die Ausbreitung dieser Baumart sorgen wie z.B. Baumschulen, Forstbetrieben,
Grünflächenämtern sowie Garten- und Landschaftsbaubetrieben gerade im Jahr
2003 eine große Verantwortung zu - nämlich dafür Sorge zu tragen, dass nicht
mit dem Erreger infizierte Pflanzen verbreitet werden. Nur ein Labortest kann
hier die notwendige Sicherheit verschaffen. Dies ist wohl die wichtigste
(über)lebensnotwendige Botschaft, die es im Jahr der Schwarz-Erle bekannt zu
machen gilt. Denn so und nur so können wir dieser Baumart helfen!! Wenn Sie
mehr zu diesem aktuellen Thema wissen möchten, wenden Sie sich an den Autor oder
schauen Sie in die Literaturliste, die am Ende des Textes im Internet genannt
ist.
Nutzung, Verwendung, Heilkunde
Kommen wir nun wieder zu etwas Erfreulicherem, zur
Nutzung dieser Baumart. Zunächst zum Erlenholz: es lässt keinen farblich
abgesetzten Kern erkennen, die Jahrringe treten kaum hervor. Die auffallend
blutrote Färbung der frischen Schnittflächen nach dem Fällen hat zu der Legende
geführt, dass Erlen "bluten". Die Rotfärbung entsteht durch Sauerstoffreaktion
von Zellinhaltstoffen. Die auf dem Querschnitt ebenfalls auffallenden
rötlich-braunen Flecken sind die Fraßgänge einer Fliegenlarve, die so regelmäßig
auftreten, dass sie als Bestimmungsmerkmal genutzt werden können. Das Holz
ist gut zu trocknen, arbeitet und reißt wenig, lässt sich leicht und sauber
bearbeiten. Es wird als Massivholz in der Kunst- und Möbeltischlerei
eingesetzt, aber auch häufig zu Furnieren verarbeitet, da es eine sehr feine
Zeichnung aufweist und sich zudem leicht färben und beizen lässt. Sie sollten
sich Ihr Kirschbaum-Schlafzimmer also mal genauer ansehen, bei Tageslicht und
ohne Ablenkung. Ob es nicht doch aus Schwarz-Erle ist? Macht doch nichts! Die
Schwarz-Erle war früher der "Holzschuh-Baum" (im Oldenburgischen 'Holschenboom')
wegen der häufigen Verwendung des Holzes für diesen Zweck. Auch für
Küchengeschirr und Schusterleisten sowie zur Bleistift-Herstellung wurde es
genutzt. Heute werden Spanplatten daraus hergestellt. Als Bauholz soll es seine
beste Eignung und Dauerhaftigkeit haben, wenn es zwischen dem 15. August und 8.
September eingeschlagen wird. Dies ist jedoch auf den meist nassen und
empfindlichen Standorten technisch nur sehr schwer ohne Befahrungsschäden zu
lösen. In der Regel findet daher ein Wintereinschlag bei Boden frost
statt. In Wasser verbaut zeigt Erlenholz eine besonders große
Dauerhaftigkeit und wird daher gerne für Wasserbauten, Mühlenbalken,
Wasserleitungsröhren und Stalldielen verwendet. Halb Venedig steht auf
Erlenpfählen! (Die andere Hälfte steht auf Eichenpfählen.) Der mittlere Heizwert
des Holzes macht es auch zu einer brauchbaren Energiequelle, es liefert vor
allem gute Holzkohle. Trotz der genannten Verwendungsmöglichkeiten stand das
Holz der Schwarz-Erle auf den Märkten lange Zeit deutlich im Schatten anderer
Holzarten und wurde von den Sägewerken als Bestandteil von Sammelkäufen
überwiegend nur geduldet. Heute ist jedoch das Interesse der Möbelindustrie und
anderer Holzverbraucher an hochwertigem Erlenholz deutlich gestiegen, so dass
für Erlen-Sägeholz oder -furniere inzwischen hohe Preise erzielt werden können,
was diese Baumart auch für die Forstwirtschaft wieder attraktiv macht.
Das wird natürlich 2003 erst richtig losgehen! Schwarzerlen-Pflanzungen
werden in der Ingenieurbiologie gerne zum Schutz vor Erosion eingesetzt.
Sie dienen mit ihrem intensiven Wurzelwerk, das auch unter die mittlere
Grundwasserlinie reicht, der dauerhaften Uferbefestigung von Bächen und Flüssen.
Wie wichtig das sein kann, hat das Hochwasser vom August 2002 überdeutlich
gemacht. Wegen ihrer standortverbessernden Eigenschaften - Moment mal: wissen
Sie noch wieso?³ - wurden Erlen bisweilen auch in landwirtschaftlichen
Mischkulturen eingesetzt, z.B. mit Hirse, oder auch heute noch im Waldbau als
"Vorwald" für anspruchsvollere Baumarten. Die besonders gerbstoffreichen
Blütenstände sowie die Rinde wurden zum Ledergerben und zum Wollefärben genutzt,
die Zapfen auch zur Herstellung von dauerhaft schwarzer Tinte und für
Frühlingsgestecke. Bis ins 18. Jahrhundert fing man Mücken mit aufgehängten
jungen, noch klebrigen Erlenzweigen. In der Heilkunde hat die
Schwarz-Erle bisher keine große Bedeutung gehabt. Blätter und Rinde ergeben
gerbstoffhaltige Drogen, die äußerlich bei Geschwüren, Beulen und Verwundungen
Verwendung finden. Innerlich angewendet helfen sie bei Rheuma, Hals- und
Mandelentzündung, Angina und Darmblutungen. Blätter und Rinde gelten als
fiebersenkend, geglättete Blätter auf wunde Füße gelegt können Wunder bewirken.
Bei Müdigkeit und Niedergeschlagenheit hilft es bisweilen, eine Erle
aufzusuchen: sie macht einen wieder fit für all die sonstige Härten des
Lebens...
Mythologie und Brauchtum
Der viel verwendete deutsche Name Rot-Erle geht auf
die beschriebene rötliche Verfärbung des saftfrisch geschnittenen Holzes zurück.
Er ist jedoch abzulehnen, da er zu Verwechslungen mit der in Nordamerika
heimischen Alnus rubra, der "richtigen" Rot-Erle, führt. Weitere im
deutschsprachigen Raum gebräuchliche Bezeichnungen der Schwarz-Erle sind Eller
oder Else. Orts- und Flurnamen, die auf die Schwarz-Erle zurückgehen, sind
beispielsweise Irlach und Ellern. Die bekannte Ballade vom Erlkönig
hat eigentlich nichts mit dem Baum zu tun, da es sich vielmehr um einen
Übersetzungsfehler HERDERs von dem dänischen 'ellerkonge' ("Elfenkönig")
handelt, den GOETHE übernommen hat. Gehören Sie auch zu den Begeisterten, die
für die Schule das folgende Gedicht aus dem 'Erlkönig' von JOHANN WOLFGANG VON
GOETHE auswendig lernen mussten? Jetzt können Sie damit nochmal ganz groß
rauskommen!
Wer reitet so spät durch Nacht und
Wind? Es ist der Vater mit seinem Kind; Er hat den Knaben wohl in dem
Arm, Er fasst ihn sicher, er hält ihn warm.
Mein Sohn, was birgst du
so bang dein Gesicht? Siehst Vater du, den Erlkönig nicht? Den Erlenkönig
mit Kron und Schweif? Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif...
Vieles in der Mythologie, was um die Schwarz-Erle
entstanden ist, hat damit zu tun, dass sie vorzugsweise auf nassen, sumpfigen
Standorten vorkommt. Dort war sie den Menschen daher seit jeher etwas
unheimlich. Wehe dem, der auf ihre Irrlichter hereinfiel! So fürchteten
Wanderer, vom Wege abzukommen und dem unheimlichen Erlenweib zu begegnen, das
sie aus Hinterlist in den dunklen Sumpf ziehen könnte - das Erlenweib wurde mit
Hexerei in Verbindung gebracht. In einer Erlenlandschaft soll es Hexen mit
Haaren so blutrot wie das frisch gefällte Holz gegeben haben. Schauen Sie doch
dieses Jahr beim Wandern mal etwas genauer hin...
Sie sehen: die Schwarz-Erle ist eine wertvolle
und interessante, aber durch Entwässerungsmaßnahmen und das derzeitige
Erlensterben hochgradig bedrohte Baumart, die dringend unserer Aufmerksamkeit
und Pflege bedarf. Die Hochwasser sollen uns Warnung sein!
Verfasser des Textes: Prof. Dr.
Andreas Roloff, TU Dresden/Tharandt Stellv. Vorsitzender des KBJ
Mit freundlicher Genehmigung des KBJ www.baum-des-jahres.de, (c) Text und Bilder: Kuratorium Baum des
Jahres. |